Kündigungen führen statt verwalten – warum sich Führung genau hier entscheidet


Ein Artikel von Michael Hasler im HR Profi

In vielen Unternehmen ist das Trennungsmanagement formal gut aufgestellt, trotzdem scheitern viele Trennungen oft an der Führung. Kündigungen werden häufig administrativ abgearbeitet, aber nicht aktiv geführt. Kündigungen sind kein reiner Prozess, sondern der Moment, in dem Führung sichtbar wird: Wie ein Unternehmen kündigt, zeigt, wie es führt. Wirksame Führung berücksichtigt dabei immer beide Ebenen eines Gesprächs – die sachliche und die emotionale.

Der Vertrauensbruch entsteht oft im Vorfeld

Wenn Kündigungen schwierig verlaufen, liegt die Ursache selten im eigentlichen Gespräch, sondern in der Führung davor. Typische Muster wie zu lange zu positive Mitarbeitergespräche, fehlende Klarheit oder das Vermeiden von Konflikten erzeugen falsche Erwartungen. Für die Betroffenen ist oft nicht die Kündigung selbst das grösste Problem, sondern der Bruch in der Wahrnehmung. Wer im Arbeitsalltag nicht klar führt, verliert somit im entscheidenden Moment an Glaubwürdigkeit.

Drei Anspruchsgruppen gleichzeitig im Blick behalten

Wer Kündigungen führt, muss stets drei unterschiedliche Realitäten gleichzeitig managen:

  • Die gekündigten Mitarbeitenden: Sie erleben die stärkste emotionale Belastung, bei der es neben beruflicher Unsicherheit oft auch um Identität und Perspektive geht.
  • Die verbleibenden Mitarbeitenden («Survivors»): Sie sind stark betroffen, beobachten den Umgang der Führung sehr genau und ziehen daraus direkte Schlüsse für ihre eigene Sicherheit, Fairness und das Vertrauen ins Unternehmen.
  • Führungskräfte und HR: Sie tragen gemeinsam die Verantwortung für den fachlichen, organisatorischen und emotionalen Prozess.

 

Die eigentliche Wirkung entsteht bei den «Survivors»

Wie eine Trennung das Unternehmen langfristig prägt, entscheidet sich nicht bei den Gekündigten, sondern bei den verbleibenden Mitarbeitenden. Schlecht geführte Trennungen erzeugen bei ihnen Unsicherheit, bremsen die Leistung und erhöhen die Fluktuation. Gut geführte Trennungen schaffen hingegen Klarheit und Stabilität. Die Trennungskultur ist gelebte Führungskultur und der Austritt ist ein entscheidender Moment für die Glaubwürdigkeit eines Arbeitgebers.

Führung endet nicht mit der Kündigung

Viele Organisationen betrachten die Kündigung als Abschluss, dabei beginnt genau hier eine entscheidende Phase. Care-Angebote helfen unmittelbar nach dem Gespräch, die emotional stark belasteten Betroffenen in einer Ausnahmesituation zu stabilisieren und erste Reaktionen aufzufangen. Outplacement geht einen Schritt weiter und unterstützt bei der strukturierten beruflichen Neuorientierung. Unternehmen, die diese Massnahmen bewusst einsetzen, übernehmen Verantwortung und stärken ihre Reputation nachhaltig, denn eine Trennung sollte den Vertrag beenden, nicht die Perspektive.

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